Archiv für den Monat Oktober 2012

Sa, 21.7.12, 9:50

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Nach einer kurzen Nacht weckt mich Sydelle um kurz vor 8 per Handy. Ich nehme den Bus nach Margao zu KTC (Zentrale Busstation). Der Bus ist ein klappriges Gefährt mit einem Fahrer, der gerne mal einen Rhythmus mit der Hupe „trommelt“. Neben ihm gibts noch einen Beifarer und im Fahrgastraum einen „Türöffner“, der  sich um das Einladen der Fahrgäste kümmert. Das Einzige, was noch gut in Schuss ist, ist die Musikanlage, aus der mit unglaublicher Lautstärke moderne indische Popmusik dröhnt – unter anderem auch indischer Rap, englische Partymukke aus den 90ern ist auch dabei.

Bei dem Fahrer scheint es sich um einen Christen zu handeln: Es gibt mehrere indisch anmutende Jesusbilder und eine Marien-Statue. Hinduistische Traditionen verschmelzen mit westlicher Religion: EIn Blumenkranz ziert den „Altar“. Über der Scheibe finde ich noch ein paar Plaketten mit arabischen Koran-Zitaten. Der Einlader pfeift „anerkennend“ (wie wir es deuten würden) wenn alle neuen Passagiere an Board sind.

[Mehr habe ich an diesem Tag nicht geschrieben, wir haben uns hauptsächlich Panaji angesehen und sind mit dem Roller durch die Gegend gerauscht.]

Colva 20.7.12, 22:00

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Ich bin schon seit einer Weile zurück im Hotel, weil Sydelle nach anderthalb Stunden wieder weg musste. Ihr Vater braucht ihren Motorroller, weil seiner kaputt ist. Ich habe eine Karte von Goa (Rs: 40) und einige Sachen gekauft, die ich zum Leben brauche, wie zB. Schnur, Bounties und Klamotten, die ich aus Gründen der Gewichtsersparnis nicht mitgenommen habe. Der Rucksack ist trotzdem viel zu sau schwer. Sydelle ist noch westlicher orientiert als Virali. Sie erzählte zB. von ihrem US-Amerikanischen Ex-Freund und dass Ihre Eltern geschieden sind. Ganz schön modern.

Colva Beach, bzw Margao liegt im Süden Goas, Viralis Kumpel sagte, dass dies eher die Wohngegend der Einheimischen sei. Die Fetten Parties gibts im Norden: Da geht es morgen auch hin! Sydelle übernimmt die Planung. Sie sagt, dieses Jahr sei der Monsunregen extrem schwach – sie verweist dabei auf den Klimawandel.

A propos Klima : Meine Knöchel sind von der Klimaumstellung immer noch sehr geschwollen. Ein relativ normales Phänomen.

Sydelle geht ein sehr hohes Risiko ein, sich mit mir, einem männlichen Europäer, sehen zu lassen. „You don’t know how they judge me.“ (oder so ähnlich) sagte sie heute, als eine Horde glotzender männlicher Inder, die mit dem Motorroller unterwegs waren, an uns vorbeirauschte. Nach dem was ich gelesen habe, geht sie das Risiko ein, sich einen Ruf einer Prostituierten einzuhandeln. Die meisten Inder scheinen Klatsch und Tratsch zu lieben.

Goa ist viel „hinterweltlicher“ und konservativer als Mumbai, was die sozialen Konventionen angeht. Sydelle raucht auch, allerdings nicht auf offener Straße wie die Männer. Wenn ihr Vater von davon erfährt, dann aua aua….

23:45

Verdammtes Jetlag. Ich kann nicht schlafen. Ums verrecken nicht. Es ist heiß und stickig und alles klebt. Odomos brennt und klebt auf der Haut – aber es hält nur 4 Stunden. Dazu Mosquito coils, brennen ebenfalls nur die halbe nacht. Moskitonetz? Fehlanzeige. Ich hab keins und ich könnte es auch nirgendwo festmachen.

2:10 Immer noch wach…

Der kleine Manju ist ein wirklich netter Gastgeber bzw „Herbergsvater“. Er ist bestimmt keine 13 Jahre alt…

DCIM100GOPRO

Brief 1

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Freitag, 20.7.2012, Colva.

 

Hey!

Gestern wars richtig anstrengend. Der Taxizuweiser zockt den müden Backpacker ab und dann gehts mit Sack und Pack nach Fort, ein ganz netter Teil Mumbais, in dem Arm auf Reich trifft, bzw. Tür an Tür miteinander lebt [So ist es mir zumindest bei meinem ersten Besuch in Mumbai vorgekommen]. Der Stress hatte dann endlich ein Ende, als Virali kam und mir zusammen mit einem Freund ein wenig die Stadt gezeigt hat. (Seinen Namen habe ich leider vergessen, Schande über mich.) Weil es mir in Mumbai enifach zu wuselig war, habe ich beschlossen weiter zu fahren. Um 7 Uhr abends, da war es bei Dir erst 15:30, habe ich einen Nachtbus nach Margao genommen, das ist im mittleren Süden Goas. Hier hat mich dann eine ander Couchsurferin, Sydelle, per Sms zu einem günstigen Hotel direkt am Meer gelotst und hier sitze ich auch jetzt, frisch geduscht, endlich!

Kleiner Tipp: Fahre NUR in Sleepern (Bett-Busse), wenn Du nach Indien fährst!

Die Fahrt war nicht nur lang (17h), sondern auch sehr holperig, voller unnötiger Pausen, laut (Indiens Straßen = Hupkonzert) und vor allem: Unbequem! Manche Inder sind unter Umständen sehr rücksichtslos und klappen ihre Sitze bis zum Anschlag zurück, sodass einem fast die Beine brechen!

Das Wetter ist eigentlich ganz erträglich, wenn man nicht stillsitzen muss und sich totschwitzt.

Ab und zu gibts mehr oder gar nicht heftige Regengüsse, sehr erfrischend. Ich glaube, ich bleibe 4 Tage hier, erstmal ausruhen und wieder zu Kräften kommen 🙂 Gesund bin ich auch (noch).

[…]

Dein Nikolas

Margao, 20.7.12

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DCIM100GOPRO

 

Ich habe es doch tatsächlich geschafft! Ich bin in Navin’s Inn angekommen. Sydelle kennt den Besitzer und ich werde wenigstens nicht über den Tisch gezogen. In Goa ist das Preisniveau in der „Off-Season“ (Hauptsaison ist im Winter) mittelmäßig, 500 Rupien pro Nacht [, was meine zweit- bzw. drittteuerste Übernachtung in einem Hotel sein wird]. In der Gegend kann man wohl auch für 300 Rupien übernachten. Nächstes mal vielleicht.

Ich brauche dringend eine Dusche, habe aber keine Seife. Mal sehen, wie ich mit diesem Sonderbaren Gerät, was ein Duschkopf sein soll, zurechtkomme… Das Ding sieht etwas gefährlich aus: In dem Duschkopf, dier fest an der Wand montiert ist, findet sich jede Menge Elektronik-Schnickschnack und bei der Bedienung der Wärmereglung blitzt es…

Klopapier? Fehlanzeige. Die Dusche habe ich jedenfalls dringendst gebraucht. Nach 3 Tagen Indien stinkt man schlimmer als eine Horde tollwütiger Opossums.

[…]

Nach einem komaähnlichen Schlaf wache ich um 18 Uhr auf und Erkunde mit Sydelle Margao. Es ist alles saftig grün, der kleine Garten des Navin’s Inn ist wunderschön.

DCIM100GOPRO

20.7. Kurzbeitrag Panaji

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Kurz vor Panaji weckt eine Herde schwarzer Wildschweine mein Interesse. Es ist ein Mutterschwein mit einer Krähe auf dem Rücken (was sehr ulkig aussieht) und ein großer Haufen Frischlinge, die, wie ihre Mutter, im Müll neben der Straße wühlen. Im Müll wühlende Tiere prägen das Stadt- und Straßenbild Indiens, wie ich später merken werde.

Am Busbahnhof in Panaji nehme ich mir ein Motorradtaxi (Meine erste indische Motorradfahrt, leider ohne Helm, es gibt in Indien im Regelfall einfach keine Helme.) und fahre zu Navins Inn, meinem Hotel in Margao, 50m Luftlinie zum Strand! Netterweise ist der Motorradfahrer ehrlich und verlangt den von Sydelle angegebenen Preis.

20.7. Fahrt nach Goa

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Jetzt sitze ich insgesamt 12h (daraus wurden übrigens 17h!) im Nachtbus nach Margao (Goa). Das Fenster ist sperrangelweit offen; der Fahrtwind kühlt meinen durchgeschwitzten Körper. Wenn der Bus nicht gerade anhält, denn das tut er ziemlich oft. Raus aus Mumbai, der wohl chaotischsten Stadt der Welt. Ohne Verkehrsregeln, dafür mit 24-Stunden-Hupkonzert und das jeden Tag. 20mio. Einwohner PLUS die illegalen Einwanderer, von denen es scheinbar noch mehr gibt.

… Es ist vermutlich 0:30 und meine Knie tun weh. Die Sitze sind eng und wenn man dann noch einen rücksichtslosen Inder als Vordermann hat, der den Sitz gnadenlos in die für mich unangenehmste Position knallt…

Im Moment stehen wir an einem „Hotel“, einem Restaurant, um das sich ein paar Kiosks angesiedelt haben. Hier kaufe ich nach dem Tabasco-Prinzip versiegelte Wasserflaschen. Ich habe etwas Angst vor dem Reisedurchfall, aber bisher nur ein leichtes Unwohlsein. Möge es dabei bleiben. Es handelt sich wieder einmal um einen sehr „aromatischen“ Ort – Indien, das Land der Gerüche – hier allerdings ein dezenter Duft nach halb- bis dreiviertelverdautem.

Fazit: Der Sleeper (Bus) neben uns sieht viiieeel gemütlicher aus 😉 tiefer in die Tasche greifen? Ich freu mich auf das Hotel, das Sydelle für mich klargemacht hat. (500 Rs/Nacht)

Falls ich die indischen LKW noch nicht erwähnt habe soll dies hier geschehen: Sie sind toll!!! Sie sind grundsätzlich BUNT. Hinten wird er äußerst farbenfroh mit den Hinweisen „Stop Signal“ und „Horn Please“ bemalt.

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Viele der LKW sind Wassertransporter, die mit einem riesigen Wassertank auf der Ladefläche ausgerüstet sind.

…Nach dem letzten Überholmanöver bin ich sehr froh, dass ich von meinem Platz aus nicht die Straße sehen kann und die bisherige Fahrt meist die Augen zu hatte. Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit dank Jetlag.

Bis jetzt musste ich einmal ungeplant den Bus wechseln; bei dieser Gelegenheit wurde ich zum ersten mal von zwei Schleppern angequatscht, die ich aber abweisen konnte. Das tolle am Buswechsel: Es ist ein akklimatisierter Sleeper! Bettchen, yay!

17h nach der Abreise aus Mumbai komme ich in Panaji bzw. Panjim an.