Die kommenden Tage…

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Nachdem Saurabh am Dienstag abgereist war, blieb ich (wie ich schon geschrieben habe) eine weitere Nacht in Tosh. Am fogenden Tag (Mittwoch) erwachte ich sehr spät (15 Uhr!) und wanderte in das nächste Dorf, wo ich um 17 Uhr ankam. Es fuhren keine Busse mehr, also nahm ich mir ein Taxi nach Kasol, stieg aber schon in Manikaran aus. Dort nahm ich mir ein Zimmer für 200Rs: Kein Strom, sehr ärgerlich. Es war sehr dunkel, als ich ankam und ich schlenderte ein wenig durch das verregnete Städtchen mit heißen Quellen und dem großen Sikh-Tempel.

Manikaran gleicht mit seinen Ständen und kleinen Läden eher einem Bazar mit viel Kitzsch, Holzhandwerk, Klamottn und Guru-Bilderchen. In Manikaran fühlte ich mich sehr alleine und reiste am Donnerstag Vormittag nach Jari und von dort aus nach Chowki, wo ich in Chappu Negis Guesthouse unterkam. Als ich eintraf, war nur sein (sehr netter) Bruder zugegen, weil Chappu mit einer Touristengruppe in Malana war.

Chappu ist der Führer der Bergrettung, besitzt ein Guesthouse, ein Museum mit Malana-Artefakten und bietet Führungen durch das Parvati-Tal an. Als Führer der Bergrettung hat er mehr als 100 Rettungseinsätze hinter sich, bei denen er hauptsächlich in den Bergen verlorene Israelis rettet (darunter auch israelische Prominenz!) und bekam dafür den Ben-Gourion-Award.

CHappu freute sich sehr, als ich ihm erzählte, dass ich einen seiner europäischen Freunde kannte, der auch ein entfernter Bekannter von mir war. Er bot mir daraufhin an, mich am nächsten Tag stark vergünstigt nach Malana zu führen und bezog eines der Zimmer auf seinem Familienanwesen. Hier lernte ich Chappus freundlichen Vater kennen, einen sehr sympatischen, hageren, alten Herren mit Hasenzähnen und krummer Nase und weißem Schnurrbart.

Chappu führte mich am Abend, wie am nächsten Tag, in das Alltagsleben der indischen Männerwelt ein, welches hauptsächlich aus Whiskytrinken und geselligem Schwätzen besteht, während die Hausfrau ab und zu in den Raum huscht, um Thali, Knabbereien, Chai oder Bier aufzutischen. Am Donnerstagabend saßen Chappu, einer seiner Freunde und ich im Tempelhaus. Die Zwei tranken Whiskey und erzählten mir vom Leben im Himalaya.

Am Folgetag wollten wir um 9 Uhr aufbrechen, was aber eher 16 Uhr wurde, da Chappu noch  „eine Stunde Büroarbeit“ abzuleisten hatte, bevor wir gehen wollten. Im Büro, welches sich in 10 Minuten fußmarsch von Chappus Haus befand, fanden sich schnell 10 Freunde ein, es wurde geschwätzt, getrunken und geraucht, nebenbei der neue Anbau des Bürogebäudes diskutiert und geplant, welches bald auch als Hotel dienen sollte (einige teure Räume waren bereits vorhanden); Das asymmetrische Fundament stand schon. Zum Essen ging es dann in den Gemeinschaftsraum des Guesthouses auf Chappus Anwesen unter dem Tempel-Museum-Wohnhaus-Gebäude [Der Tempel mit Wohnanbau erfüllt mehrere Funktionen in einem], wo uns Chappus Frau Moutton-Thali servierte.

Am späten Nachmittag ging es dann endlich nach Malana, Chappu nahm zwei seiner (sehr netten) Freunde und einen Fahrer mit, der den Kleinwagen mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit über die steinige Piste prügelte.

Am Samstag war eine Wanderung zu Franco Casalones Hohle und Galenos Haus geplant. Die beiden italienischen Hippies lebten für jahrzehnte im Malana-Tal und wurden von den Malanern akzeptiert. Einer der Beiden lebte dort für mehr als 25 Jahre, wurde nun aber von der Polizei des Landes verwiesen, da er kein gültiges Visum besaß, der andere lebt seit einiger Zeit wieder in Italien.

In Malana fand ein traditionelles Fest statt; mit Tanz, Musik und indischen Süßigkeiten. DIe Malaner tanzten einen gemütlichen Tanz, bei dem sie einen Kreis (oder Reigen) um die Musiker (Trötenflöte, mehrere Trommeln und zwei monströse Trompeten) bildeten und sich in einer bestimmten Art und Weise an den Händen fassten. Sehr beeindruckend! (In Chowki sah ich am Vortag eine Prozession mit einer Sänfte, in der Artefakte getragen wurden, die Shiva repräsentierten. Jedes Haus des Dorfes wurde einmal im Monat mit der Sänfte und den bereits erwähnten Musikinstrumenten gesegnet)

Nachdem es begonnen hatte zu nieseln, spazierte ich ein wenig durchs Dorf (später klärte sich der Himmel und bot einen unglaublichen Anblick) und gesellte mich im Dragon GUesthouse zu drei indischen Jungs zwischen 25 und 30, die aus Delhi angereist waren, um in Malana ein paar ruhige Tage zu verleben.

Samstag morgens um 9 traf ich Chappu und seine zwei Freunde auf der Terrasse des Guesthouses an. Chappu erzählte, dass er 18 Jahre in Malana gelebt hatte, sein eigenes Grundstück und Haus am Dorfrand besaß und wie ein echter Einheimischer behandelt wurde.

Er machte sich auf ins Dorf, um zu beten (die Dorfbewohner beten die Gottheit Jamlu an) und versprach mir, dass in einer Stunde ein Führer kommen würde, mit dem ich auf die andere Talseite wandern könnte, wo die Häuser der Hippies standen. […]

Wieder im Dorf angekommen traf ich Droor, einen der Israelis, die in Pushpas Guesthouse gewohnt hatten. Wir beschlossen uns ein Zimmer im Dragon Guesthouse zu teilen und freundeten uns mit Sahil und Baba-Ji (wie er sich nannte) an, die ein Umweltprojekt ins Leben gerufen hatten und in Malana den ganzen Plastikmüll von den Straßen sammeln wollten. Malana ist wirklich schön, aber die Straßen sind total vermatscht. Vor der „Westernisierung“ (Strom, Plastik) fraßen die Tiere des Dorfes den Müll – so blieben die Straßen sauber. Doch nun ist alles voll mit Plastikflaschen und -verpackungen…
Sahil und Baba-Ji gesellten sich am Abend zu uns ins Zimmer und übernachteten bei uns.

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Über Niko

For Saurabh: "Once you asked me how my journey to India would affect my life in my western home country...I can tell you now: It changed my thinking subconsciously, my behaviour, my outlook on life and the world as a whole. It changed my personality and strengthened my character. But still I am the same person. But I know: If I lose everything - there is a place in the world that will calm me down and cushion me. It's like having a second home..."

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