Archiv für den Monat Mai 2013

Preise

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Dieser Artikel wird sich mit den gängigen Preisen von diversen Lebensmitteln, Gegenständen, etc. beschäftigen.

Zum Umrechnen:

67Rs = 1€ (Stand Juni 2012)

83Rs = 1€ (Stand Oktober 2013)

UNTERKÜNFTE:

Goa:

-500Rs, eigenes Bad, Doppelbett. (Navi’s Inn, Colva Beach)

-350Rs  in anderen Unterkünften auch möglich.

Hampi:

-200Rs, Doppelbett, eigenes Bad. (Gouri Guest House)

Himalaya:

-Manali: 200Rs für Einzelzimmer ohne Bad, 300Rs für Dreibettzimmer mit Bad. (Orchard House)

-Kasol: 100Rs für Doppelzimmer ohne eigenes Bad (Mama Pushpa’s Guesthouse), 2x 150Rs für Doppelbettzimmer ohne Bad, mit heißer Quelle(Taj Place)

-Malana: 150-300 Rs, Zimmer mit 2-4 Schlafplätzen, ohne eigenes Bad (Dragon Guesthouse)

-Chowki: „As much as you want.“, Einzelzimmer ohne eigenes Bad, inkl. Verpflegung (Negi’s Nest)

-Tosh: 120 Rs, Doppelbettzimmer, ohne eigenes Bad (Pink Floyed)

-Delhi: 300Rs (??), Doppelbettzimmer (Hare Rama Guesthouse, ACHTUNG!!! Drecksloch.)

MEDIZIN:

-Ayurvedischer Hustensaft (pflanzlich, 200ml): 100 Rs

-Jod-Salbe: 20Rs

FORTBEWEGUNGSMITTEL (Züge, Bus, Taxi):

Zug Delhi-Mumbai: 473Rs (Tatkal, Warteliste)

Autoriksha Laxmi Nagar (Ost-Delhi) – Main Bazar (Delhi): 100-110Rs

Autoriksha Laxmi Nagar – Train Station Nizzamuddin: 70Rs

Bus Manali -Bunthar: 45Rs

Bus Bunthar – Kasol: 25Rs (?)

ESSEN, TRINKEN:

-Wasserflasche, versiegelt: 10Rs, 12 Rs, 20Rs

-Softdrink 0,5l: 30Rs

-Chai: 5Rs (Zug), 7Rs (Straßenstand Delhi), 15-25Rs (Restaurant, aber doppelt bis vierfache Menge)

-großer Saft beim Straßenstand in Delhi: 40Rs

-Samosa (Zug, Straßenstand): 5Rs

-Süßigkeiten: 5Rs pro Stück

-Chocolate Balls: 300Rs

KLAMOTTEN:

-Nepal-Hose: 500Rs

-Braune Freak-Jacke: 600Rs

-T-Shirt: 150-200Rs

-maßgeschneiderte, leichte Hose aus Hampi: 200-300Rs

-Kullu-Cap: 80-270Rs (je nach Qualität)

-Warme, grau-blaue Hose, hochwertig: 600Rs

-Kullu Shawl: Medium: 1200Rs*, Large: 4000Rs*, „Original“: 9000Rs (*Reduzierte Ware)

-Standard-Shawl: z.B. 400Rs, je nach Qualität und Material

-Lungi, Dothi: 100-150Rs

-„Leder“jacke: 1600Rs (böser Abzockpreis!)

DIVERSES:

-Lederbücher: 150-200Rs (klein), 250Rs (mittel, etwa DIN A5), 300-350Rs (groß)

-Shiva-Statue (klein bis mittelgroß): 170Rs (von 200-300Rs runtergehandelt)

-Waage: 250Rs (vorher 350)

-Stofflampen 80-120Rs (klein, mittel, groß)

-Henna-Set: 80Rs

-Kashmir-Döschen: 80-450Rs (oder auch mehr)

-Kashmir-Elefanten, klein: 200-450Rs

-Räucherstäbchen: 50Rs

-Räucherknete: 10Rs

-Stirntupf-Segnungs-Zeugs (rot, gelb, orange): 20Rs

-Räucherset: 15 oder 50Rs

-CDs: 295Rs

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30.8.12: Der Tag der Abreise.

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Der letzte Tag brach an und sollte noch stressiger werden. Gaurav und ich trafen uns viel zu früh (8:30), weder Geldwechsler, noch Poststation waren geöffnet und wir rannten durch ganz Mumbai. Nach der zweiten staatlichen Postfiliale fanden wir endlich die „Richtige“ (Foreign Post Office) und informierten uns über die Versandkosten, allerdings über das falsche Gewicht (Sitar + Koffer wiegen nicht 5-6kg, sondern 9,5kg). Es war nun 11 Uhr und ich hatte noch eine Stunde, bis ich aus dem Hotel ausgecheckt sein musste, doch davor mussten wir zu Thomas Cook, um Traveller Checks einzulösen.

Kein Taxi wollte uns danach mitnehmen, da diese auf „das große Geld“ aus waren und unsere Strecke zu kurz für sie war, weshalb wir laufen mussten, was sich als äußerst stressig erwies. Es begann zu regnen und wir wurden nass bis auf die Knochen. Die Knie meldeten sich auch zu Wort (Schmerzen) und ich war durch den kurzen und schlechten Hotelschlaf sehr schwach, genervt und todmüde. Ich hatte mein Geld um 11:50 und wir nahmen dann doch ein teures Taxi, um noch rechtzeitig anzukommen. Wir nahmen das Gepäck, brachten es zur Bahnstation, um es im Stauraum zwischenzulagern. Danach ging es nocheinmal zu Thomas Cook, um die restlichen Traveller Checks einzulösen. Ich hatte mir Sorgen gemacht, dass das Geld nicht reichen würde, um beide Instrumente zu kaufen, doch es rechte glücklicherweise ganz locker, ich hatte sogar noch zwei Traveller Checks übrig. Ich drückte den Gesamtpreis der Instrumente von 39000 Rs auf 36000 Rs und war sehr stolz auf meine in Indien erworbenen Handelsfertigkeiten.

 

Nun ging es zur Poststation, um die Instrumente zu versenden.

Die Post-Tölpel behaupteten ersteinmal, dass das Paket zu schwer sei, auf Gauravs Drängen checkten sie aber nocheinmal die Kriterien für Deutschland – auf einmal kein Problem! Ich entschied mich dafür, die Tablas auch zu versenden, anstatt sie als Handgepäck mitzunehmen, was sicherlich sehr weise war, da El Al Israel Airlines diesmal noch viel schlimmer in meinem Privatleben schnüffelte, als beim Hinflug. Tablas könnten ja evtl explodieren, oder so…

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(Wegen der miserablen Lichtverhältnisse ist das Bild so verwackelt… Es zeigt den Vorgang des Verpackens)

Das Versenden dauerte ziemlich lange, sodass wir nur noch essen und dann zum Airport wollten. WIedermal wollten die Taxifahrer nicht fahren und wir liefen – direkt in ein gigantisches Unwetter, eine Sintflut, welches mich bis tief unter die Haut und mein Gepäck durch und durch durchnässte. Dies sollte den ersten Teil der Flugstrecke zur Hölle machen. Wir fanden nciht das geschünschte Restaurant und aßen Burger in einem etwas gehobeneren Hotel, für die astronomische Preise verlangt wurden: Sie gingen in den vierstelligen Rupienbereich (1063 Rs). Wir aßen Gauravs lieblingsdessert, was er das letzte mal vor 10 Jahren gegesen hatte. Das Dessert hatte ich bereits in Goa gegessen und war formidabel.

WIr kauften in der hauseigenen Konditorei ein, was sich als keine gute Idee erwies. Die Speisen waren noch mieser als die Burger und etwas als Berliner zu bezeichnen, was totfritiert wurde, zäh wie eine Schuhsohle ist und mit einer derart widerlichen Vanillecreme, oder etwas, was eine solche sein sollte, zu bezeichnen, grenzt an einen Skandal 😉

Wir bezahlten, gingen zur Bahnstation und kauften ein Ricket am Prepaid Taxistand. Es war bereits 7 Uhr abends, eine Stunde zuvor wollte ich eigentlich schon am Airport sein, dementsprechend gestresst war ich auch. Der großkotzige Taxifahrer verlangte 200 Rs mehr (Normalpreis: 350Rs), weil wir zur Hauptverkehrszeit fahren wollten. Ich machte ihm kurz und knackig klar, dass er um seine Gesundheit zu fürchten hatte, wenn er versuchte, mich über den Tisch zu ziehen. [Dies ist natürlich eine maßlose Übertreibung meinerseits, auch wenn ich den Typen am liebsten… naja, lassen wir das, ganz schlechtes Karma. 😉 ]
Er hatte sowieso vor, die 200 Rs einzustecken und den Auftrag an einen armen Kollegen abzuwälzen und das dauerte weiter 20min.

Der Verkehr war fürchterlich und die Fahrt zog sich, wie ein alter, zäher Kaugummi. Nachdem Gaurav dem Fahrer 50RS extra versprach, wenn er sich beeile, ging es etwas schneller, aber wir brauchten doch mehr als zwei Stunden.

Ich wechselte vor dem Airport meine restlichen Rupien und überließ Gaurav mein Kleingeld. Das Einchecken sollte sich als pure Stresstortur erweisen. Ich war der letzte Passagier der eincheckte, obwohl ich um 21:30 emit dem Check-In begann. Um 23:00 sollte der Flieger abheben.

Ich wurde mit unangenehmen Fragen über mein Studienfach, meine Eltern,den Inhalt meines Gepäcks, den Grund und die Route meiner Reise gelöchert- und alles musste bewiesen werden! Ich hatten icht von allem Fotos gemacht und ic hhatte auch nicht von allem, von dem ich berichten musste Souvenirs. Ich musste mich bei Facebook einloggen und alle Bilder zeigen, während die El Al-Angestellten (nicht die Sicherheitsbeamten, die von El Al angestellt wurden) zur Eile drängten. Nach dem auseinandernehmen meines Gepäcks wurde ich recht fix durch alle Check-In-Schlangen geschleust und gelangte, immer noch mit völligst durchnässter Hose ins Flugzeug, widerlich.

In Tel Aviv hatte ich nicht wirklich viel Zeit, um einzuchecken, doch ich kam, trotzeiner weiteren äußerst entwürdigenden und peniblen Sprengstoffkontrolle, rechtzeitig zum Gate, aber auch keine Minute zu früh, mit Rennen.

Mein Handgepäck war übrigens dank regen total durchnässt, voll mit Seifenresten und Papierfetzen des Reiseführers.

Ich kam glücklich, sicher und pünktlich in Frankfurt am Main an, bis auf den ausgelaufenen Hustensaft und einigen zerbrochenen Tongefäßen aus Delhi war alles ganz geblieben.

Ich komme wieder. Ganz bald.

Om nama Shivaya.

29.8.12, Der vorletzte Tag: Rasur, Tempel, Sitars.

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In der Nacht wachte ich gegen 5 Uhr auf, weil ich unglaublich durstig war. Leider hatte ich kein Wasser und litt eine ganze Weile an meinem unerträglichen Durst, bis ich mich an den leeren Wasserspender im Gang des Hotels erinnerte. Es war noch ein winziger Rest im Spender und ich bediente mich, ohne an die eventuell darin wohnende Bakterien-Kolonie zu denken. Am selben Tag bedankte sich mein Verdauungstrakt.

Gaurav und ich trafen uns in der Nähe seines Schlafplatzes. Ich hatte einen Straffen Zeitplan abzuarbeiten. Natürlich kam alles anders. Als erstes nahmen wir die Bahn zu den Dhobi Ghats. Bahnreisen in Mumbai sind immer ein Erlebnis, da die Türen bei der Fahrt nicht geschlossen werden und das Gefährt mit einem Affenzahn über die Gleise rast.

Die Dhobi Ghats sind dafür bekannt, dass dort alle Wäsche Mumbais gewaschen wird – der Laundry Service Mumbais, bzw. die gigantische Waschmaschine. Leider waren wir etwas spät dran (10-11 Uhr); die Wäscher und Wäscherinnen hatten ihre harte Arbeit schon beendet und die Betttücher, Hosen, Hemden, etc. hingen fein säuberlich an den Wäscheleinen auf den Dächern der Slum-Baracken.

Als Nächstes gingen wir zu der vom Musikladen-Angestellten empfohlenen Hochschule, wo mich am Eingang ein narzistisch veranlagter Hindi-Professor volltextete. Der Tabla Lehrer sollte erst um 16 Uhr eintreffen, daher gingen wir in den Krishna-Tempel, der sich in einer Nebenstraße befand. Wir wohnten einer Zeremonie bei und Gaurav erzählte mir, dass er früher viel Zeit im Tempel verbracht hatte.

Wir kamen auf das Thema Fleischgenuss, was Gaurav schnell beendete, da dieses Thema in (Krishna)Tempeln tabu war. Er erzählte mir auch, dass er sich in Tempeln unwohl fühlte, teils wegen seinem Bidi-Konsum (Bidi sind indische Zigaretten in schrecklicher Qualität, umwickelt mit einem Tabak(?)-Blatt, anstelle von Papier), der gute Gaurav raucht unglaublich viel, was im Tempel natürlich verboten ist. Ein weiter Grund für sein Unbehagen ist die Geld- und Machtgier von Mönchen. Er erzählte mir von einem Freund, der „Mönch“ o.ä. in einem anderen Tempel gewesen ist, ihn aber verlassen musste, weil er sich weigerte mit einem ranghohen homosexuellen Priester zu schlafen.

Es gab auch einen Shop im Tempel, in dem religiöse Zeremoniengegenstände, etc. verkauft wurden. Dieser hatte allerdings um diese Uhrzeit geschlossen, daher beschlossen wir später wiederzukommen.

Im Tempel muss man übrigens seine Schuhe ausziehen und an einer Art Garderobe abgeben.

Nachdem wir in der Hochschule vergebens nach dem Lehrer fragten, gingen wir zu einem wunderschönen Park, wo wir Schmetterlinge mithilfe von Blumen versuchten auf unsere Hände zu locken, um sie dann zu filmen und fotografieren, was aber leider nicht klappte. Die Schmetterlinge waren wunderschön: Schwarz-Blau, Schwarz-Grün, Orange-Beige, einige davon sehr schnell. Wir aßen die Ananas und benutzten die Zimmerschlüsselkarte des Hotelraums als Messer, da wir keines hatten. Die Ananas war unglaublich lecker. Saftig, fruchtig, süß und vor allem reif. Die Beste in meinem bisherigen Leben.

Wir versuchten es noch einmal bei der Hochschule (erfolglos) und gingen erneut zum Tempel, der mittlerweile geschlossen hatte, wie ich zuerst verstand, aber doch nur eine Besucherpause eingelegt hatte.

Ich ging mit Gaurav zu einem Barber-Shop und erhielt meine erste, nicht von mir durchgeführte, Rasur für 60-70 Rs, mit einem alten, klassischen Klapprasiermesser. Spontan entschied ich mich auch noch fürs Haareschneiden, da mich die Wolle auf meinem Kopf unerträglich zum Schwitzen brachte. Ja, ein etwas später Einfall am letzten, bzw. vorletzten Tag in Hindustan.

Zum Rasieren benutzte der Barber zusätzlich einen „Rasierstein“, eine Art Salzkristall, der wie ein milchig-trüber Seifenblock aussah. Das Einreiben sollte eventuelle Blutungen stoppen und ich wollte mir einen Solchen kaufen, was ich aber nicht mehr schaffte. Nach einem weiteren erfolglosen Besuch der Hochschule gingen wir in den nun geöffneten Tempel-Shop, wo ich für viel zu viel Geld Souvenirs für meine Lieben kaufte.

Beim nächsten Hochschulbesuch hatten wir Glück, wir fanden den Tabla-Lehrer in seinem Büro und er nannte uns die gängigen Preise für Tablas und Sitars, empfahl uns noch einen sehr guten Musikinstrumenteladen, den wir als Nächstes besuchten (es war schon recht spät). Der Tabla-Lehrer war wirklich unglaublich freundlich und hilfsbereit.

Im Musikladen erlebte ich ein blaues Wunder: Eine Linkshänder-Sitar in Konzertqualität für 22500 RS! Und Tablas in 3 verschiedenen Qualitäten. Ich beschloss am morgigen Tag alle Möglichkeiten auszuloten, um eines oder beide Instrumente mit nachhause zu nehmen. Danach gönnten wir uns Chai (12 Rs) und fuhren zurück nach Colaba, der Stadtteil meines Hotels.

Do, 28.8.12

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Ich kam gegen halb 4 nachts in MUmbai an. Ärgerlicherweise fuhr der Zug nur in einen Vorort Mumbais , weshalb ich eine teure Autoriksha zur Straßenbahn nehmen musste, was wieder „Bargaining!“ bedeutete… Ich habe langsam echt keine Lust mehr auf Taxifahrer und Händler, die versuchen mich über den Tisch zu ziehen. In der Straßenbahn versuchte ein total mit Alkohol oder einer anderen Droge vollgepumpter, schmuddelig-dreckiger Inder mich entweder zum Sex mit ihm oder mit einer Prostituierten zu überreden. Mumbais Slums sind voll mit Prostituierten.

Nachdem ich in Mumbai Churchgate angekommen war, versuchte ich in einem Hotel unterzukommen, nachdem ein Taxifahrer wieder viel zu viel Geld („Nachtzuschlag“ und er existiert wirklich) verlangte. Zum Glück kannte ich die Preise, weil ich mir angewöhnt hatte, Offizielle, wie Polizisten oder Bahnbeamte nach den gängigen Preisen zu fragen.

Das Hotel war ausgebucht, also versuchte ich es ein Stockwerk darunter. Die Sausäcke verlangten für die erste Nacht im einzig freien (Doppelbett)Zimmer 700Rs, die Zweite kostete 500Rs. Ich musste in den Sauren Apfel beißen, da es 5 Uhr morgens in der Früh war. Nachdem ich mich im „Zimmer“, welches aus 4 dünnen Trennwänden (ähnlich wie Raumteiler) und zwei Betten bestand, eine eigene Decke hatte es nicht (weder Zimmer, noch Bettdecke!), von oben wummerte ein Ventilator und blies Luft ins „Abteil“, häuslich eingerichtet hatte, machte ich mich auf die Suche nach dem Theobroma, der wohl besten Konditorei Indiens, und geriet in einen unglaublichen Monsun-Regen, der mich bis auf die Knochen durchnässte. Nach einer Weile fand ich das Theobroma , welches aber erst um 9 öffnete. Ich wartete anderthalb Stunden. Gegenüber befand sich ein Tempel und eine Art Mönch segnete mich, ohne dass ich ihn darum bat und wollte dass ich dem Tempel 100 Rupien (viel zu viel!!!!) spende, was ich aus Unwissenheit tat. Normalerweise 5-10 Rs… Es war aber auch eine schöne Erfahrung, ich bekam meinen ersten „Inder-Punkt“ und ein rot-orangenes Bändchen.

Im Theobroma war es eisigkalt. Es gibt kaum etwas Schlimmeres als völlig durchnässt aus dem feucht-warmen Mumbai-Klima in einen überdimensionalen Tiefkühlschrank zu kommen. Die Kuchen-Theke ließ mich all meine SOrgen wegn meiner Gesundheit vergessen. Sämtliche Torten von Schokoladenreme, Schwarzwälder Kirsch, „7 Layers of Chocolate“, Black Currant Creme, Butterscotch-Hazelnut, Orange Juice Caake über Oreo-Brownies, Pistazien-Cardamom-Trüffel usw. gab es. UN-GLAUB-LICH!!!!!!!

Nach einem Cafe Mocca (mit „Macerato“ [kann mich nicht mehr erinnern was das war] und Hausgemachter Schokoladensauce am Boden des Glases), einem Cappuccino, „7Layers“, Chocolate-Opium-Torte und einem Pistazien-Cardamom-Trüffel war mir ungeheuer schlecht. Ich versuchte dem Zuckerschock mit einem weiteren Chicken-Mushroom-Ciche entgegenzuwirken, allerdings mit mäßigem Erfolg. Ich wollte nie wieder zuckerhaltige Lebensmittel zu mir nehmen.

Zuvor zeigte mir der Inhaber  stolz seine Auswahl und kündigte einen LKW voller Kuchen und Torten an, mit den Worten „Das ist noch lange nicht alles“. Die darauf folgende Prozession der Angestellten, die den LKW ausluden war mindestens so beeindruckend wie die mit Auszeichnungen gepflasterten Wände des kleinen Cafés (bzw. Konditorei). Der Konditor und Inhaber hatte an einer scheinbar berühmten französischen Konditor-Schule (natürlich in Frankreich) gelernt, wie ein Zertifikat neben der Kasse verriet.

Nach meinem Besuch im Theobroma rannte ich wahrlos in der Stadt umher, auf der Suche nach Märkten und einem Musikladen. Auf diese Weise lernte ich Gaurav Singh kennen, den ich zuerst für einen Schlepper hielt, ihn aber glücklicherweise nicht abblitzen ließ.

Gaurav ist einer der ehrlichsten Menschen, die ich in Indiens Straßen kennengelernt habe. Gaurav wurde vor 23 Jahren in Nepal geboren, seine Eltern begingen Selbstmord, als er zweieinhalb Jahre alt war. Er wurchs bei Großmutter, Tante und Onkel auf, wovon ihn letzerer hasste. Er lief mit 12 Jahren von „Zuhause“ weg und lebt seitdem auf der Straße. Er arbeitet als Koch und sein Traum ist es, nach Europa auszuwandern, doch fehlt es an Geld und noch viel mehr an wichtigen Dokumenten, wie Pass, etc. Ohne Dokumente, keine anständig bezahlte Arbeit, kein Visum, kein Bankkonto, keine Wohnung, nichts. Kein Geld: Keine Dokumente.

Um ehrlich zu sein dauerte es eine ganze Weile, bis ich ihm traute. Er sprach mich auf einem Platz in Mumbai an und wollte nur mit mir Englisch reden. Er brachte sich Englisch innerhalb von zwei Jahren selbst bei und stellte sich außergewöhnlich gut dabei an. Sein Englisch war zwar, was Grammatik und Vokabular anging, mehr schlecht als recht, doch grandios, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass er sich die Sprache  nur durch Konversationen mit Touristen angeeignet hatte. Wenn er sich nicht mit Touristen trief arbeitete er als Koch, doch er hatte nicht jeden Tag Arbeit, was jedem Menschen einen Haufen Sorgen bereiten würde und Gaurav ist da keine Ausnahme.

Wir besuchten den Musikladen Furtado und den Frucht-Fleisch-Gewürzmarkt, wo wir eine kleine Ananas kauften. Sie war ungeschält, normalerweise schälen die Händler die Früchte vorort gegen einen unverschämten Aufpreis. Im Musikladen ließ ich mir einige Rechtshänder-Sitars zeigen und spielte auf einer weniger tollen Lefthand-E-Gitarre. In dem Laden war auch ein Bassist, der mit einem Angestellten des Ladens begann zu jammen, kurz darauf wurde ich als Drummer ins Boot geholt und ich kann behaupten: Ich schlug mich garnicht mal so schlecht, wie ich fand und erntete etwas zu viel Lob für meine eher bescheidenen Künste als Trommler. Ich zeigte Gaurav ein paar Gitarrenakkorde, wobei er bewies, dass er ein äußerst vielseitiger und geschickter Mensch war.

Nach dem Besuch im Musikladen gingen wir zu einem Chai-Stand, an dem sich Gaurav mit seinen Freunden zu treffen pflegte. Dort lernte ich Nick, Gauravs nepalesischen Leidensgenossen kennen, mit dem ich mich über den (meiner Meinung nach) brotlosen Beruf des Fotografen unterhielt.

Es folgte ein weiterer Besuch beim Theobroma und ich gönnte Gaurav eine Überdosis Torte, denn das war das, was er verdiente. Wir brachen nocheinmal zum Musikladen auf, nachdem ich in einem kleineren  Shop ein Tabla-Set angespielt hatte. Dort erzählte mir der Verkäufer von einer Schule für traditionelle indische Musikinstrumente, da ich Infos zu Qualitätsunterschieden bei Tablas und Sitars suchte.

Gaurav und ich redeten an diesem Abend viel und ich erfuhr von seiner ersten Erfahrung mit Liebe. EInige Tage oder Wochen zuvor hatte er eine Holländerin kennengelernt; sie wollte etwas „Spass“ und er verliebte sich unsterblich in sie. Sie bereisten Goa und beim Abschied weinte sie, sagte ihm aber, dass er sie vergessen müsse. Sie chatten und telefonieren jedoch regelmäßig, die Dame scheint voller Widersprüche zu sein.

Am Abend sahen wir uns im Kino nocheinmal Expendables 2 an, da ich mich nur Schemenhaft an den Actionstreifen erinnerte.

Gaurav schlief auf der Straße, ich konnte ihn auch nicht mit ins Hotel nehmen: Ohne Pass – kein Hotelbett.

Mo, 27.8.12

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Die Nacht im Zug war weniger bequem als die letzten Zugnächte. Anscheinend war das Polster der umfunktionierten Rückenlehne durchgesessen. Ich trank große Mengen von mehr oder weniger gutem Chai, um die Reste der Bronchitis auszumerzen. Auf Mumbai freute ich ich nicht, die Stadt bedeutete Stress, Hotelsuche, etc. Aber ich fieberte Deutschland entgegen. Ich freute mich auf meine Lieben und das anstehende Familientreffen. Indien ist landschaftlich total beeindruckend und toll, aber ich habe gemerkt, dass Deutschland mit seinen Weinbergen in Rheinhessen, dem bewaldeten Vogelsberg, dem flachen Norden mit der Nordsee, dem Taunus mit perfektem Pilzboden usw. doch seinen eigenen Charme hat. Nichts kann mich zum Patrioten bekehren, doch die Reise hat mir doch die Augen für Deutschlands zumindest etwas geöffnet. Außerdem freue ich mich auf meine Freunde: Jonas und Marcel, Patrick, Yves, Ron und den Rest der Wiesbaden Longboard-Crew. […]  Tolle Leute. In Indien bleiben? Ja. Definitiv, aber erst wenn ich alt bin. Bis dahin muss es ein Ferienhaus in Himachal Tun und evtl. ein bis zwei Auslandsjahre, was die Zukunft eben bringt.

Brief 6

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So, 26.8.12, 23:50

 

Meine liebe Nina!

Endlich sitze ich, bzw. ich liege eigentlich, im Zug nach Mumbai.

ich habe nun 6 Tage in Delhi verbracht, habe allerdings nicht so viel von der großen Stadt gesehen, da ich heftigst mit Krankheiten wie Bronchitis, Halsschmerzen, Grippe, Magen-Darm-Beschwerden usw. zu kämpfen hatte. Mir geht es aber schon wieder besser und ich freue mich wie wahnsinnig Dich in 4 Tagen endlich wieder in meine Arme schließen zu können. Es ist nicht so, dass ich gar nichts von Delhi gesehen hätte, ich habe zwar die meiste Zeit bei Saurabh, Parul, Mohit, Shashi, Ayush und „the strong Guy“ verbracht, habe aber auch einiges von Paharganj, einem Viertel des Main Bazars verbracht, wo ich meine Kashmiri-Freunde Quayoom, Waseem und Ali kennengelernt habe. In Paharganj gibt es alles, was das Touristen-Herz begehrt: Tausende bunte Läden mit allem, was in Indien hergestellt wird, dreckige, teure Hotels, einen Gemüse-Markt zum drüberschlendern und staunen, jede Menge Chai Stalls und vieles, vieles mehr.

Der Connaut Place ist auch sehr beeindruckend. Er ist wie ein Verkehrskreisel aufgebaut und besteht aus mehreren Ringen, die aus massiven britischen Gebäuden bestehen und alle möglichen, hauptsächlich teuren Läden beherbergen, aber auch einen tollen Straßenladen mit den besten Milchshakes Indiens! Leckerleckerlecker…

Man mag es kaum glauben, aber auch ein Besuch im Hollywood-Kino (ich glaube es gibt Hollywood-Kinos und Bollywood-Kinos) wird zum ganz besonderen Erlebnis: Inder lachen nicht nur laut, die bejubeln auch die Schauspieler, wenn diese einen besonderen Spruch reißen oder im Film eine besondere Leistung erbringen!

„McD.“ alias MacDonalds ist ähnlich widerlich wie das deutsche Pendant, hat aber eine komplett andere Speisekarte. Hier gibt es „McEgg“ [soll bald in Deutschland als „McBacon“ verkauft werden…], neben dem qualitativ minimal hochwertigeren Veggie-Burger. Fleisch interessiert dich zwar generell weniger, soll aber dennoch erwähnt werden: Es gibt nur Qualfleisch von Hühnern, was vorzugsweise roh serviert wird…

Das besondere an Delhi ist übrigens, dass die Stadt komplett horizontfrei ist! Dank Smog…

[…]

So, 26.8.12

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Der Sonntag zog sich. Saurabh hatte versprochen um 10 Uhr morgens von seinem Meeting zurück zu sein, tauchte aber erst gegen halb 7 abends auf. In der Zwischenzeit brachte ich mit Mohit das 14Kg schwere Paket zur Post, was mich 2500 Rs kostete. Wir hatten uns zuerst verrechnet und dachten, ich würde mehr als 10.000 Rs zahlen müssen. Leider vergaß ich die Stofflampen zu kaufen, die ich mit nach Deutschland bringen wollte, doch Saurab versprach mir diese nachzusenden. Im Anschluss an das Packetverschicken begleitete ich Mohit zu seinem ersten Date mit seiner Freundin, was eine hochinteressante Erfahrung war. Die zwei sind fast Nachbarn (Blickkontakt von Balkon zu Balkon) und sind jetzt seit 2 Monaten „zusammen“. In getrennten Fahrradrikshas fuhren wir zur Shopping Mall: Mohit und ich in der Einen, Seine Freundin und ihre Schwester in der Anderen. Angekommen wurden wenige Blicke ausgetauscht und in den ersten 15 minuten kamen sich beide nciht näher als 5m. Nachdem wir im obersten Stockwerk über die Rolltreppen angekommen waren, stellte Mohit mich den zwei äußerst jung wirkenden Damen vor, ich vermute, dass ich mit dem Händedruck den Damen näher gekommen bin als Mohit je zuvor. Händeschütteln ist in Indien sowieso eine etwas andere Sache. Inder „reichen“ bzw. „geben“ sich im wortwörtlichen Sinne die Hand – während in Deutschland die Hand eher kräftig gedrückt wird, bleibt die indische Hand entspannt wie ein nasser Waschlappen. Ich muss hier an Chappus Freunde denken… Zurück zum Thema. Ich ließ die drei im obersten Obergeschoss neben dem Fahrstuhl alleine, um mir ein zweites traditionelles indisches Eis zu gönnen: Diesmal „Nelke“, was aber Rosenwasser als hauptsächliche Geschmacksrichtung hatte und genau wie das Erste [Geschmacksrichtung vergessen] tierisch lecker war.

Mohit erklärte mir, dass seine Freundin aus Delhi stammte. Würden sie zusammen gesehen, könnte das tödliche Konsequenzen für ihn haben, was halb spass, halb ernst gemeint war. Wir gingen zur Konkurrenz von Mc D., wo ich einen „arabian Lamb Burger“ kaufte, der erstaunlich gut war. Das Pärchen saß endlich mal nebeneinander und teilte sich Mohits Freundins Burger, da sie ihn nicht alleine schaffte. Ich verabschiedete mich kurz nach 20 Uhr von Saurabh und seinen Mitbewohnern und kam pünktlich am Bahnhof Nizzamuddin an. Ich war die letzten Tage etwas angespannt, da ich nur einen Wartelistenplatz (Nr. 13) für das Ticket bekommen hatte, was aber am Tag der Abreise bestätigt wurde. Im Zug lernte ich einen netten Herren kennen, der für das Landwirtschaftsministerium arbeitete.