29.8.12, Der vorletzte Tag: Rasur, Tempel, Sitars.

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In der Nacht wachte ich gegen 5 Uhr auf, weil ich unglaublich durstig war. Leider hatte ich kein Wasser und litt eine ganze Weile an meinem unerträglichen Durst, bis ich mich an den leeren Wasserspender im Gang des Hotels erinnerte. Es war noch ein winziger Rest im Spender und ich bediente mich, ohne an die eventuell darin wohnende Bakterien-Kolonie zu denken. Am selben Tag bedankte sich mein Verdauungstrakt.

Gaurav und ich trafen uns in der Nähe seines Schlafplatzes. Ich hatte einen Straffen Zeitplan abzuarbeiten. Natürlich kam alles anders. Als erstes nahmen wir die Bahn zu den Dhobi Ghats. Bahnreisen in Mumbai sind immer ein Erlebnis, da die Türen bei der Fahrt nicht geschlossen werden und das Gefährt mit einem Affenzahn über die Gleise rast.

Die Dhobi Ghats sind dafür bekannt, dass dort alle Wäsche Mumbais gewaschen wird – der Laundry Service Mumbais, bzw. die gigantische Waschmaschine. Leider waren wir etwas spät dran (10-11 Uhr); die Wäscher und Wäscherinnen hatten ihre harte Arbeit schon beendet und die Betttücher, Hosen, Hemden, etc. hingen fein säuberlich an den Wäscheleinen auf den Dächern der Slum-Baracken.

Als Nächstes gingen wir zu der vom Musikladen-Angestellten empfohlenen Hochschule, wo mich am Eingang ein narzistisch veranlagter Hindi-Professor volltextete. Der Tabla Lehrer sollte erst um 16 Uhr eintreffen, daher gingen wir in den Krishna-Tempel, der sich in einer Nebenstraße befand. Wir wohnten einer Zeremonie bei und Gaurav erzählte mir, dass er früher viel Zeit im Tempel verbracht hatte.

Wir kamen auf das Thema Fleischgenuss, was Gaurav schnell beendete, da dieses Thema in (Krishna)Tempeln tabu war. Er erzählte mir auch, dass er sich in Tempeln unwohl fühlte, teils wegen seinem Bidi-Konsum (Bidi sind indische Zigaretten in schrecklicher Qualität, umwickelt mit einem Tabak(?)-Blatt, anstelle von Papier), der gute Gaurav raucht unglaublich viel, was im Tempel natürlich verboten ist. Ein weiter Grund für sein Unbehagen ist die Geld- und Machtgier von Mönchen. Er erzählte mir von einem Freund, der „Mönch“ o.ä. in einem anderen Tempel gewesen ist, ihn aber verlassen musste, weil er sich weigerte mit einem ranghohen homosexuellen Priester zu schlafen.

Es gab auch einen Shop im Tempel, in dem religiöse Zeremoniengegenstände, etc. verkauft wurden. Dieser hatte allerdings um diese Uhrzeit geschlossen, daher beschlossen wir später wiederzukommen.

Im Tempel muss man übrigens seine Schuhe ausziehen und an einer Art Garderobe abgeben.

Nachdem wir in der Hochschule vergebens nach dem Lehrer fragten, gingen wir zu einem wunderschönen Park, wo wir Schmetterlinge mithilfe von Blumen versuchten auf unsere Hände zu locken, um sie dann zu filmen und fotografieren, was aber leider nicht klappte. Die Schmetterlinge waren wunderschön: Schwarz-Blau, Schwarz-Grün, Orange-Beige, einige davon sehr schnell. Wir aßen die Ananas und benutzten die Zimmerschlüsselkarte des Hotelraums als Messer, da wir keines hatten. Die Ananas war unglaublich lecker. Saftig, fruchtig, süß und vor allem reif. Die Beste in meinem bisherigen Leben.

Wir versuchten es noch einmal bei der Hochschule (erfolglos) und gingen erneut zum Tempel, der mittlerweile geschlossen hatte, wie ich zuerst verstand, aber doch nur eine Besucherpause eingelegt hatte.

Ich ging mit Gaurav zu einem Barber-Shop und erhielt meine erste, nicht von mir durchgeführte, Rasur für 60-70 Rs, mit einem alten, klassischen Klapprasiermesser. Spontan entschied ich mich auch noch fürs Haareschneiden, da mich die Wolle auf meinem Kopf unerträglich zum Schwitzen brachte. Ja, ein etwas später Einfall am letzten, bzw. vorletzten Tag in Hindustan.

Zum Rasieren benutzte der Barber zusätzlich einen „Rasierstein“, eine Art Salzkristall, der wie ein milchig-trüber Seifenblock aussah. Das Einreiben sollte eventuelle Blutungen stoppen und ich wollte mir einen Solchen kaufen, was ich aber nicht mehr schaffte. Nach einem weiteren erfolglosen Besuch der Hochschule gingen wir in den nun geöffneten Tempel-Shop, wo ich für viel zu viel Geld Souvenirs für meine Lieben kaufte.

Beim nächsten Hochschulbesuch hatten wir Glück, wir fanden den Tabla-Lehrer in seinem Büro und er nannte uns die gängigen Preise für Tablas und Sitars, empfahl uns noch einen sehr guten Musikinstrumenteladen, den wir als Nächstes besuchten (es war schon recht spät). Der Tabla-Lehrer war wirklich unglaublich freundlich und hilfsbereit.

Im Musikladen erlebte ich ein blaues Wunder: Eine Linkshänder-Sitar in Konzertqualität für 22500 RS! Und Tablas in 3 verschiedenen Qualitäten. Ich beschloss am morgigen Tag alle Möglichkeiten auszuloten, um eines oder beide Instrumente mit nachhause zu nehmen. Danach gönnten wir uns Chai (12 Rs) und fuhren zurück nach Colaba, der Stadtteil meines Hotels.

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Über Niko

For Saurabh: "Once you asked me how my journey to India would affect my life in my western home country...I can tell you now: It changed my thinking subconsciously, my behaviour, my outlook on life and the world as a whole. It changed my personality and strengthened my character. But still I am the same person. But I know: If I lose everything - there is a place in the world that will calm me down and cushion me. It's like having a second home..."

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