Archiv der Kategorie: Goa

Dienstag, 24.7.12, 8:10, Zug nach Hampi

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Jetzt sitze ich doch im richtigen Zug. Nach einigen Strapazen und Stress verursacht durch meine Unwissen- und Unsicherheit gegenüber den indischen Gepflogenheiten was die Eisenbahnfahrkultur angeht, habe ich mich nach zwei Platzverweisen auf eine Bank gesetzt, auf der ein netter Mann saß. Er verunsicherte mich zwar zuerst, ob ich nun tatsächlich im richtigen Zug säße, mich aber „am End“ doch bestätigte. Mein Zug hatte ca. 15 min Verspätung, das Einsteigen ist äußerst chaotisch und noch nicht mal die Einheimischen kennen die Endstation des Zuges. Jetzt gehts erstmal 350Km gen osten nach Hospet, dann 12 km mit der Autoriksha nach Hampi!

Goa war super, alles andere als die Partyhochburg, für die ich sie gehalten habe, auch wenn der Monsunregen seinen Teil dazu beigetragen hat. Sydelle und ihre Kumpels (übrigens ausschließlich männlich) sind coole Säue und ich werde definitiv den Kontakt zu ihnen oder ihr halten. Goa, der Staat der Strände, Kokosnüsse und Motorroller! In umgekehrter Reihenfolge. Nie werde ich die Fahrt mit Shaggy am Steuer vergessen. Quer durch den Dschungel, auf und ab, ohne Helm bei wahnsinnigen Geschwindigkeiten. Ein kleiner Sprung über eine Brücke und Shaggy’s gemurmeltes „Sorry“ von vorne.

Auf einer Royal Enfield bin ich jetzt auch gefahren, allerdings nur als Beifahrer 😉 Ranjit, der Besitzer von Navin’s Inn und Manjus Vorgesetzter hat mich heute morgen zum Taxistand in Colva gefahren.

Gerade sind wir an den zweitgrößten Wasserfällen Indiens vorbeigefahren. Unglaublich! So kam ich ins „Gespräch“ mit meinen Mitreisenden: Einer 16-köpfigen Familie, die aus Orissa kommt. Leider sprachen  zwei der Männer mit denen ich mich unterhielt höchstens zwei bis drei Wörter Englisch, sodass wir uns hauptsächlich mit Zeichen, Händen und Füßen verständigen mussten. Nachdem wir uns über unsere Reiserouten ausgetauscht hatten (die Familie machte eine Tour durch Zentralindien) zeigte ich den Männern meine Kamera, von der sie fasziniert waren und sich fotografieren lassen wollten. Die einzige Frau, die ich von der Familie kennenlernte (sie war eine Abteilsnachbarin), zierte sich zunächst, weil sie nicht aufs Foto wollte, aber auf freundliches drängen der Männer dann doch einwilligte. Mal sehen, ob die Bilder was geworden sind…

Das zentrale Thema war allerdings meine Familie. Ich erzählte, dass ich verheiratet wäre und zwei Kinder hätte, was sie ganz großartig fanden. Ca. acht Familienmitglieder versammelten sich um das erfragte Foto und bewunderten meine Freundin. Danach setzte sich ein etwa gleichalteriger Junge  (oder etwas jünger als ich) zu mir. Er sprach sehr gut Englisch und war mit seinem Vater auf dem Weg nach Kerala (ausgesprochen: „Kerrrla“), wo er eine Eignungsprüfung machen, oder ein Studium beginnen wollte. Er wurde in „Südarabien“ geboren und lebte dort, weil sein Vater (der „nette Helfer“, den ich nach dem Ziel des Zuges gefragt hatte) dort arbeitete. Vater und Sohn stammten aus Kerala, bzw. wohnten da, so erfuhr ich einiges über den Bundesstaat und viel allgemeines über Indien: Anzahl der indischen Sprachen,  Bildungsstandards, Bevölkerungsdichten, etc. Wir unterhielten uns auch über Europa, wo ich dort schon überall herumgereist bin, Automarken, Sprachen, usw. Er wollte Medizin studieren, am liebsten in Deutschland. Ich erzählte ihm was ich wusste und riet ihm sich auch über ein Studium in den Niederlanden zu informieren.

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Montag, 23.7.12, Goa

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DCIM100GOPRO

Heute war ich um 10 Uhr am KTC, dem Margao’er Busbahnhof. Von Da aus gings mit einem gemieteten Moped und Sydelle nach Alt-Goa. Dort haben wir uns einige Kirchen und unter freiem Himmel verottnde Steinmetz-Kunst von vor vielen Jahrhunderten angesehen.

Dort habe ich auch meine erste „Pay Toilet“(öffentliche Toilette, BÄH!!!)-Erfahrung gemacht. IIIIHHH!!!! Zum Glück gab es eine Tür mit der Aufschrift „Europeans“, geholfen hat mir das trotzdem nichts. Wasereimer. Naja, ich hatte mich zum Glück vorher mit Servietten eingedeckt. Dreckig sind die Toiletten für Europäer trotzdem.

Der Typ am „Tresen“ hat mir dann auch gleich noch den 4fachen Preis für den Klogang abgeknüpft: 20 Rupien. Hm. Wieder was gelernt. Durchfall habe ich immer noch keinen, nur das Masala-Zeugs (die indischen Gewürze) wirkt, dank der ayurvedischen Lehre, etwas abführend.

[Ja, die letzten Sätze waren etwas unappetitlich. Aber das ist Indien für Europäer, und ich habe mich für die authentische Form des Reiseberichtschreibens entschieden. Ihr sollt ja was lernen.]

Danach gings nach Nord-Goa, einer wunderschönen Ecke. Dort geht die Party, wenn nicht gerade Monsunzeit ist. Wir waren nach der wunderschönen Dschungelfahrt am Vagator/Anjuna/Ozran Beach (bin mir nicht mehr ganz sicher, wie er hieß), wo ich meine erste Kokosnuss eigenhändig geschält, aufgesägt und leergetrunken habe! Lecker! Was für ein Erlebis…

Sie war recht jung, deswegen voll mit Kokosmilch und Richtung „unten“ (da wo die drei Punkte sind) immer weicher. Sydelle erzählte mir, dass man aus Baby-Kokosnüssen Blutplasma-Ersatz gewinnen könne. Abgefahren.

Wir sind dann noch nach Panaji gefahren, wo ich eine Sitar ausprobiert habe. Leider ein Rechtshänderinstrument, hat aber trotzdem funktioniert. Der Preis ist phänomenal: 8000 Rs —> 120€ (und ein Tabla-Set 80€) [Am ende meiner Reise habe ich viel hochwertigere und auch teurere Instrumentegekauft. Mehr dazu später.] Wir trafen an einem Sandwich-Stand einen Kumpel Sydelles: Er ist Gitarrist und Multitalent an allen Instrumenten. Er riet mir zu einer E-Sitar für 1100 Rs, also 160€. Ein Witz, wenn man sich die Preise in Deutschland anschaut!

Nach der Unterhaltung haben wir uns die Bäuche mit indischen Köstlichkeiten, hauptsächlich Sandwiches mit Kartoffel- und Käsebelag, vollgetopft. Die 500g Süßigkeiten habe ich leider in Sydelles Tasche vergessen! Verdammt! [Sydelle wird mir in den nächsten Tagen erzählen, dass Sie die Süßigkeiten auch vergessen hatte und sie den Ameisen zum Opfer fielen.]

Morgen gehts um 7 Uhr zum Bahnhof von Margao, dann nach Hampi!

Sa, 21.7.12, 9:50

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Nach einer kurzen Nacht weckt mich Sydelle um kurz vor 8 per Handy. Ich nehme den Bus nach Margao zu KTC (Zentrale Busstation). Der Bus ist ein klappriges Gefährt mit einem Fahrer, der gerne mal einen Rhythmus mit der Hupe „trommelt“. Neben ihm gibts noch einen Beifarer und im Fahrgastraum einen „Türöffner“, der  sich um das Einladen der Fahrgäste kümmert. Das Einzige, was noch gut in Schuss ist, ist die Musikanlage, aus der mit unglaublicher Lautstärke moderne indische Popmusik dröhnt – unter anderem auch indischer Rap, englische Partymukke aus den 90ern ist auch dabei.

Bei dem Fahrer scheint es sich um einen Christen zu handeln: Es gibt mehrere indisch anmutende Jesusbilder und eine Marien-Statue. Hinduistische Traditionen verschmelzen mit westlicher Religion: EIn Blumenkranz ziert den „Altar“. Über der Scheibe finde ich noch ein paar Plaketten mit arabischen Koran-Zitaten. Der Einlader pfeift „anerkennend“ (wie wir es deuten würden) wenn alle neuen Passagiere an Board sind.

[Mehr habe ich an diesem Tag nicht geschrieben, wir haben uns hauptsächlich Panaji angesehen und sind mit dem Roller durch die Gegend gerauscht.]

Colva 20.7.12, 22:00

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Ich bin schon seit einer Weile zurück im Hotel, weil Sydelle nach anderthalb Stunden wieder weg musste. Ihr Vater braucht ihren Motorroller, weil seiner kaputt ist. Ich habe eine Karte von Goa (Rs: 40) und einige Sachen gekauft, die ich zum Leben brauche, wie zB. Schnur, Bounties und Klamotten, die ich aus Gründen der Gewichtsersparnis nicht mitgenommen habe. Der Rucksack ist trotzdem viel zu sau schwer. Sydelle ist noch westlicher orientiert als Virali. Sie erzählte zB. von ihrem US-Amerikanischen Ex-Freund und dass Ihre Eltern geschieden sind. Ganz schön modern.

Colva Beach, bzw Margao liegt im Süden Goas, Viralis Kumpel sagte, dass dies eher die Wohngegend der Einheimischen sei. Die Fetten Parties gibts im Norden: Da geht es morgen auch hin! Sydelle übernimmt die Planung. Sie sagt, dieses Jahr sei der Monsunregen extrem schwach – sie verweist dabei auf den Klimawandel.

A propos Klima : Meine Knöchel sind von der Klimaumstellung immer noch sehr geschwollen. Ein relativ normales Phänomen.

Sydelle geht ein sehr hohes Risiko ein, sich mit mir, einem männlichen Europäer, sehen zu lassen. „You don’t know how they judge me.“ (oder so ähnlich) sagte sie heute, als eine Horde glotzender männlicher Inder, die mit dem Motorroller unterwegs waren, an uns vorbeirauschte. Nach dem was ich gelesen habe, geht sie das Risiko ein, sich einen Ruf einer Prostituierten einzuhandeln. Die meisten Inder scheinen Klatsch und Tratsch zu lieben.

Goa ist viel „hinterweltlicher“ und konservativer als Mumbai, was die sozialen Konventionen angeht. Sydelle raucht auch, allerdings nicht auf offener Straße wie die Männer. Wenn ihr Vater von davon erfährt, dann aua aua….

23:45

Verdammtes Jetlag. Ich kann nicht schlafen. Ums verrecken nicht. Es ist heiß und stickig und alles klebt. Odomos brennt und klebt auf der Haut – aber es hält nur 4 Stunden. Dazu Mosquito coils, brennen ebenfalls nur die halbe nacht. Moskitonetz? Fehlanzeige. Ich hab keins und ich könnte es auch nirgendwo festmachen.

2:10 Immer noch wach…

Der kleine Manju ist ein wirklich netter Gastgeber bzw „Herbergsvater“. Er ist bestimmt keine 13 Jahre alt…

DCIM100GOPRO

Margao, 20.7.12

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DCIM100GOPRO

 

Ich habe es doch tatsächlich geschafft! Ich bin in Navin’s Inn angekommen. Sydelle kennt den Besitzer und ich werde wenigstens nicht über den Tisch gezogen. In Goa ist das Preisniveau in der „Off-Season“ (Hauptsaison ist im Winter) mittelmäßig, 500 Rupien pro Nacht [, was meine zweit- bzw. drittteuerste Übernachtung in einem Hotel sein wird]. In der Gegend kann man wohl auch für 300 Rupien übernachten. Nächstes mal vielleicht.

Ich brauche dringend eine Dusche, habe aber keine Seife. Mal sehen, wie ich mit diesem Sonderbaren Gerät, was ein Duschkopf sein soll, zurechtkomme… Das Ding sieht etwas gefährlich aus: In dem Duschkopf, dier fest an der Wand montiert ist, findet sich jede Menge Elektronik-Schnickschnack und bei der Bedienung der Wärmereglung blitzt es…

Klopapier? Fehlanzeige. Die Dusche habe ich jedenfalls dringendst gebraucht. Nach 3 Tagen Indien stinkt man schlimmer als eine Horde tollwütiger Opossums.

[…]

Nach einem komaähnlichen Schlaf wache ich um 18 Uhr auf und Erkunde mit Sydelle Margao. Es ist alles saftig grün, der kleine Garten des Navin’s Inn ist wunderschön.

DCIM100GOPRO

20.7. Kurzbeitrag Panaji

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Kurz vor Panaji weckt eine Herde schwarzer Wildschweine mein Interesse. Es ist ein Mutterschwein mit einer Krähe auf dem Rücken (was sehr ulkig aussieht) und ein großer Haufen Frischlinge, die, wie ihre Mutter, im Müll neben der Straße wühlen. Im Müll wühlende Tiere prägen das Stadt- und Straßenbild Indiens, wie ich später merken werde.

Am Busbahnhof in Panaji nehme ich mir ein Motorradtaxi (Meine erste indische Motorradfahrt, leider ohne Helm, es gibt in Indien im Regelfall einfach keine Helme.) und fahre zu Navins Inn, meinem Hotel in Margao, 50m Luftlinie zum Strand! Netterweise ist der Motorradfahrer ehrlich und verlangt den von Sydelle angegebenen Preis.

20.7. Fahrt nach Goa

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Jetzt sitze ich insgesamt 12h (daraus wurden übrigens 17h!) im Nachtbus nach Margao (Goa). Das Fenster ist sperrangelweit offen; der Fahrtwind kühlt meinen durchgeschwitzten Körper. Wenn der Bus nicht gerade anhält, denn das tut er ziemlich oft. Raus aus Mumbai, der wohl chaotischsten Stadt der Welt. Ohne Verkehrsregeln, dafür mit 24-Stunden-Hupkonzert und das jeden Tag. 20mio. Einwohner PLUS die illegalen Einwanderer, von denen es scheinbar noch mehr gibt.

… Es ist vermutlich 0:30 und meine Knie tun weh. Die Sitze sind eng und wenn man dann noch einen rücksichtslosen Inder als Vordermann hat, der den Sitz gnadenlos in die für mich unangenehmste Position knallt…

Im Moment stehen wir an einem „Hotel“, einem Restaurant, um das sich ein paar Kiosks angesiedelt haben. Hier kaufe ich nach dem Tabasco-Prinzip versiegelte Wasserflaschen. Ich habe etwas Angst vor dem Reisedurchfall, aber bisher nur ein leichtes Unwohlsein. Möge es dabei bleiben. Es handelt sich wieder einmal um einen sehr „aromatischen“ Ort – Indien, das Land der Gerüche – hier allerdings ein dezenter Duft nach halb- bis dreiviertelverdautem.

Fazit: Der Sleeper (Bus) neben uns sieht viiieeel gemütlicher aus 😉 tiefer in die Tasche greifen? Ich freu mich auf das Hotel, das Sydelle für mich klargemacht hat. (500 Rs/Nacht)

Falls ich die indischen LKW noch nicht erwähnt habe soll dies hier geschehen: Sie sind toll!!! Sie sind grundsätzlich BUNT. Hinten wird er äußerst farbenfroh mit den Hinweisen „Stop Signal“ und „Horn Please“ bemalt.

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Viele der LKW sind Wassertransporter, die mit einem riesigen Wassertank auf der Ladefläche ausgerüstet sind.

…Nach dem letzten Überholmanöver bin ich sehr froh, dass ich von meinem Platz aus nicht die Straße sehen kann und die bisherige Fahrt meist die Augen zu hatte. Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit dank Jetlag.

Bis jetzt musste ich einmal ungeplant den Bus wechseln; bei dieser Gelegenheit wurde ich zum ersten mal von zwei Schleppern angequatscht, die ich aber abweisen konnte. Das tolle am Buswechsel: Es ist ein akklimatisierter Sleeper! Bettchen, yay!

17h nach der Abreise aus Mumbai komme ich in Panaji bzw. Panjim an.