Archiv der Kategorie: Hampi

Sa, 28.7., die Abreise

Standard

Heute ging es mir wieder besser. Nachdem ich ausgecheckt bin, ging ich zum Internetcafe, um die letzten Dinge vor der Abreise zu erledigen und mein Gepäck dort zu lagern. Der Besitzer war so freundlich mir dies anzubieten. Nach dem Frühstück im Chill Out konnte ich nicht widerstehen und lies mir noch eine zweite Hose anfertigen, die aufgrund der besseren Materialqualität 300 Rupien (50 Rupien mehr als die erste; ca. 4,50€)  kostete. Danach ging es zu dem ersten Internetcafe, welches wir am Ankunftstag gefunden hatten. Dort bestellte ich mir einen Teller hausgemachter Pasta mit Tomatensauce, weil ich wegen meines Bauchs noch etwas besorgt war.

Elise und Jakob druckten einige Dokumente aus, danach gingen wir zum Restaurant am Fluss, wo ich mich etwas überfraß. Nachdem ich mein Zugticket in unserem Stamm-Internetcafe abgeholt hatte ( ich hatte es am Vortag dort bestellt), nahm ich mir eine  Motorriksha nach Hospet mit einem netten Fahrer, der mir weiteres über die Wohnsituation in Hampi erzählte. In Hospet hatte ich zum Glück keine Probleme den richtigen Zug zu finden, in dem ich nun sitze und schreibe.

Ein netter Herr erzählte mir, dass er schon in Frankfut gewesen sei (wenn ich es nicht falsch verstanden habe) und dass man mindestens 6 Monate in Hampi gewesen sein muss, um alles gesehen zu haben. Später zückt er ein pinkes Handy und telefoniert. Leider verlässt er nach der dritten Station den Zug, überlässt mir aber dafür seinen Einzelsitz am Fenster. Wie alle Inder in Karnataka, dem Bundesstaat östlich von Goa (und vielleicht überall in Indien) ließ der Einheimische seinen Kopf von rechts nach links hin- und herpendeln, statt zu nicken.

Fr, 27.7. Hampi

Standard

Nach einer furchtbaren Nacht mit Magen-Darm-Problemen und noch mehr, was ich an dieser Stelle nicht erwähnen möchte, frühstücken Elise, Jakob und ich. Ich beschränke mich heute auf meinen Artemisia-Tee. Den Zwei geht es auch nicht so gut, haben aber andere Beschwerden. Ich habe MEGA-Kopfschmerzen, was wohl das Schlimmste ist.

Später am Tag. Irgendwo in einer Siedlung.

Wir fuhren über den „Bananen-Pfad“, den ich gestern entdeckt hatte. Er führte noch weiter, als ich ihn am Vortag gefahren bin. Später kamen wir auf eine asphaltierte Straße, die durch mehrere kleine Ortscafteen führte und uns richtung Nordosten brachte, bevor wir umkehrten. Indien ist wirklich sehr groß. 🙂

Kurz bevor wir wieder an der Abzweigung zum Bananenpfad waren, bemerkte ich, dass ich einen Platten hatte! Wir waren in dem Dorf, in dem wir zuvor einen halben Liter Sprit gekauft hatten. Abgefüllt in einer Nestea-Plastikflasche. Besser nicht mit dem Originalinhalt verwechseln!). Jakob und Elise fuhren zurück nach Hampi, um den blöden Motorradvermieter zu holen, der uns diese dauerhaften zweirädrigen Sorgenkinder angedreht hatte. Ich blieb zurück. Eine Traube von Männern scharte sich um mich, die zuvor ein Spiel mit kugelrunden Steinen gespielt hatte und sich nach Steinwürfen aufs übelste beschimpften, zumindest klang es so für mich. Vermutlich fachsimpelten sie ganz friedlich, ob der Wurf nun drei oder vier Punkten zu werten sei. Zurück zur Männertraube: Mir wurden sämtliche Preise von 30 bis 300 Rupien für die Reparatur des Reifens genannt. Es dauerte eine Weile, bis ich allen vermittelt hatte, dass ich nicht für die Reparatur aufkommen würde und sich alle verzogen hatten, weil es bei mir nichts zu holen gab.

Später, ich hatte mich auf eine Art großen Steintisch gesetzt, kamen zwei Dorfbewohner und zeigten sich sehr interessiert, was mein Schreiben anging. Einer der Beiden schien Analphabet zu sein; er länger blieb länger als der Andere und „laß“ eine Seite, indem er gegen die Leserichtung mit dem Finger über die Zeilen fuhr. Er sah mich freundlich und dankbar an und schüttelte mir herzlich die Hand.

[Über den Rest des Tages habe ich nichts mehr geschrieben. Der Motorradvermieter kam, reparierte den Schlauch und stellte uns leider alles in Rechnung. Der Schlauch musste ausgetauscht werden, weil er schon ca. 1000 mal geflickt wurde und wir ihm nun den Rest gegeben hatten. Jakob, der den Kerl mit dem Motorrad zu mir in das Dörfchen gebracht hatte, fand das auch. Kaum waren wir auf dem Rückweg, hatte der Schlauch an Jakobs Motorrad ein Loch! Nicht zu fassen… blöderweise bekam Jakob nun die Schuld in die Schuhe geschoben, da ärgerlicherweise er am Steuer der Maschine saß. Wir saßen am kürzeren Hebel: Man muss sich in Hampi als Tourist bei der Polizei anmelden, wenn man im Dorf ankommt. Hatten wir natürlich nicht getan. Wir handelten die Reparatur- und Materialkosten auf ca. 10€ herunter und bissen in den sauren Apfel, um weiteren Problemen zu entgehen…]

Do, 26.7. Hampi. Scharfes Essen und Hunde

Standard

Die Frau des Internetcafébesitzers ließ mich eines von Ihren Chilli-Pakoras (in tierisch scharfen Teig frittierte Chillischoten, als wäre eine scharfe Zutat nicht genug) probieren. Allerdings war das Ding so verdammt scharf, dass ich es beim besten Willen nicht essen konnte. Ich nahm einen gewaltigen Bissen , trotz Schärfe, meinen akuten Magen/Darmproblemen und vollem Magen. Ich wollte die Köchin nicht beleidigen. Beim Verabschieden nahm ich nocheinmal einen großen Bissen, den ich allerdings in sicherer Entfernung entsorgte, es war einfach nicht essbar, geschweigedenn genießbar. Den Rest warf ich einer herumstreunenden Straßenhunddame zu, die sich erst freute (Schwanzwedeln, dankbarer Blick), dann daran roch und mich teils fragend, teils mitleidig ansah („Ist das dein Ernst?!“) – selbst einem armen, ausgehungerten Tier war  das Ding nicht zumutbar.

 

Do, 26.7. Hampi

Standard

Heute war ein megageiler Tag. Nach dem Frühstücl im Chill Out mit Jakob und Elise gings zum Schneider, bei dem ich mir für 250 RS eine bordeaurote Hose anfertigen ließ, bzw. in Auftrag gab.

Danach mieteten wir uns sehr leichte Motorräder (35ccm) für 100 Rs (+ 40 Rs für 3 Leihhelme und für 190 Rs Sprit). War garnicht so einfach Helme aufzutreiben. Wir  kauften uns dann ein paar Früchte (Bananen, Mangos und grüne, limettengroße Dinger mit harten kleinen Kernen, die ich für nicht so schmackhaft befand) und gingen auf Tempelsafari! Wir sahen uns alles in der Gegend an, was groß und kostenlos war.

Wir beschlossen dann den Fluss zu überqueren, was uns aber fast das fünfache des Einheimischen-Preis gekostet hätte! Halsabschneider. Also drehten wir um und fuhren wir weiter… Kurz darauf ging der Motor meines Motorrädchen ständig aus, was sehr anstrengend uwar und uns bzw. mir große Sorgen bereitete – immerhin waren wir ca. 30km in der Wüste. Später erfuhren wir, dass der Schalter, den wir umgelegt hatten für die „Freigabe“ der zweiten Tankhälfte war und dem Motor keinen Schaden zufügte, wie wir befürchteten. Hätten die uns ja mal sagen können.

Wir tauschten auf der Rückfahrt die Motorräder, weil Elise und Jakob ihren Zug buchen wollten und ich eine Straße entlangfahren wollte, die ich vom Bergtempel aus gesehen hatte. Die Straße war toll! Staubiger, orange-roter Boden, links Zuckerrohr- und Bananenfelder, rechts Felsen und ein Bach. Auf dem Weg trieben ein paar Einheimische ihre Wildpferde und Ziegen auf eine „Wiese“ (o.ä.), um sich dann zu ihren Freunden/Kollegen/Familienmitgliedern zu gesellen. Die Schnalzlaute des Pferdetreiber waren beeindruckend, da er perfekt eine Kröte immitierte. Auf dem Rückweg hatte ich dann auch mit diesem Motorrad die Motorprobleme, wusste aber noch nicht, wie ich sie lösen sollte. [Auf dem Pfad habe ich übrigens auch zum ersten mal frisches Zuckerrohr probiert 😉 ]

Mi, 25.7.12 Hampi

Standard

Heute früh bin ich um 6.30 vom Lärm der Leute auf der Straße und der schlechten Matratze + Decke aufgewacht. Auf einem kleinen Spaziergang durch das Dorf empfahl mir ein Engländer zum Fluss zu gehen, weil dort der Tempelelefant Lakshmi um 8:30 gewaschen wurde. Elise und Jakob hatte ich leider umsonst geweckt, weil es einfach total unspektakulär und sehr „touristisch“ war.

Beim Frühstück im Chill Out trafen wir wieder den Psychologiestudenten Nikolai aus P. , den wir am Vortag getroffen hatten. Nachdem wir im Virupaksha-Tempel waren (es ist der größte der Tempel in der Gegend und sein „Turm“ ist mehr oder weniger Hampi’s Wahrzeichen), schlenderten wir über den Basar (zu dieser Jahreszeit sehr dürftig!).

Auf zu den Ruinen! Nach einem Fotoshooting an einem Findling gingen wir zum Ashram Hampis.

Es handelte sich dabei um eine Ansammlung von weißen Häusern außerhalb von Hampi… Von dort aus bestiegen wir einen riesigen  Steinhaufen auf dessen Spitze sich ein Tempel befand: Matanga Hill, ca. 530m über dem Meeresspiegel, also ca. 100m über der Ebene, auf der Hampi liegt. Der Aufstieg wahr anstrengend, lohnte sich aber seh; die Aussicht vom Tempeldach ist überwältigend!

Beim Abstieg wurden wir von einem Affen belästigt, der bis auf einen halben Meter auf uns zu kam. [Im Video kommt das leider nicht so gut rüber.]

Ich hatte ziemlich angst um meine Camera, die ich zu diesem Zeitpunkt auf meinem Kopf trug und vom Affen fixiert wurde – ein vortreffliches Spielzeug! Nachdem ich 3m geflüchtet war zog Elises Tasche die Aufmerksamkeit des Affens auf sich, deren Besitzerin davon besonders „begeistert“ war, zumal sie auf der Spitze eines großen Steins balancierte. Zum Glück merkte der Affe, dass es bei uns nichts zu holen gab und machte sich vom Acker. Die Steinchen, die ich nun sammelte waren leider umsonst, weil wir keinem weiteren Affen begegneten.
Video

Später aßen wir im Flussrestaurant, wo ich mir ein Thali bestellte. Es war ganz lecker, aber nicht so gut, wie das in Mumbai. Elise schlief nach dem Essen ein; ich verließ die Zwei, nachdem ich noch mit drei Australiern geschwätzt hatte. Ich schlenderte durch das Dorf, als mich ein heftiger Regenguss überraschte. Es war zu diesem Zeitpunkt recht kalt, sodass ich angst um meine Gesundheit hatte. Ich flüchtete mich zu einem schielenden Mann (es gibt sehr viele schielende Inder), der mir einen Platz unter seinem Vordach anbot. Den restlichen Abend verbrachte ich im zu dem Dach gehörenden Internetcafe. Um kurz vor 10 trafen sich Elise, Jakob und ich, um einen Lassi zu trinken. Hier trafen wir ein französisches Pärchen, mit dem ich schon einmal ein Schwätzchen gehalten hatte. Sie wurden übers Ohr gehauen, als sie sich vermeintliches Haschisch-Öl kauften.

Dienstag, 24.7.12 die Zweite: Elise und Jakob

Standard

Später setzte sich ein „Hospetaner“ zu mir. Sein Name ist Sam. Wir redeten über die typischen „Touristen-und-Inder“-Themen und er klärte mich über die Preise auf, die ich zu zahlen hätte, ohne von Rikshafahrern übers Ohr gehauen zu werden.

[Währenddessen fuhren wir über ein Flussbett, in dem nur noch ein Rinnsal zu sehen war, an dem Frauen Klamotten wuschen. In der Ferne konnte man einen Damm erkennen.]

Hampi.

DCIM100GOPRO

Kaum angekommen traf ich auf Jakob und Elise, die sich als Deutsche herausstellten. Zusammen handelten wir den Rikshafahrer auf 150Rs herunter, der uns natürlich abzocken wollte. Er bedrängte uns in ein bestimmtes Hotel zu gehen, was „einem Freund“ gehörte. Wir sagtem ihm, wohin wir wollten (Bazar), wurden aber doch zu dem Hotel des „Freundes“ gebracht, wo wir von mindestens 5-7 Indern und Inderinnen belagert wurden! Es war unglaublich. Ein Wortbombardement. „Buy this, buy that, very cheap“, „Come with me, very cheap hotel“ … Der Rikshafahrer hatte uns schon während der fahrt erzählt, dass aus irgendwelchen Gründen große Teile des Dorfes zerstört worden wären [Tatsächlich, weil viele Häuser illegal auf das Tempelgrundstück gebaut wurden. Nun möchte die Regierung das Tempelumfeld wieder originalgetreu herstellen.], um dies zu unterstreichen, fuhr er uns auf dem Weg zu unserem ungewollten Ziel durch eine Ruinenstraße. Es gäbe nur 5 Hotels, und alle waren natürlich ausgebucht, bis auf das Eine.

Nach einer energischen Diskussion mit dem Fahrer und einem Hindernis auf der Straße (ein großer Wassertransporter hatte uns einen riesigen Schlauch in den Weg gelegt, irgendwie haben wirs dann doch noch geschafft) wurden wir dann doch noch 20m weiter (Hampi ist winzig!) zum „Chill Out“, einem gemütlichen Café-Dingens kutschiert, was Jakob und Elise von anderen Backpackern empfohlen wurde. Es hatte geöffnet, obwohl es laut dem dreisten Rikshafahrer „auch geschlossen“ war. Soso.

DCIM100GOPRO

Das Chill Out ist auf einem Flachdach eines Hauses. Es ist Bambus/Strohdach, Sitzkissen und niedrigen Steintischen ausgestattet und macht dabei seinem Namen alle Ehre. Auch hier wurden wir beim Aussteigen aus der Riksha von einer Menschentraube umzingelt, die sich aber nach dem köstlichen Mahl (Käse-Knoblauch-Naan(-Brot) mit einer Art Ei-Curry sehr lecker!) im Chill Out verzogen hatte. Unsere Hotelsuche bestaltete sich als unerwartet kurz: Gegenüber ist nämlich das „Gouri Guest House“, welches uns von den schon genannten Backpackern empfohlen wurde.

DCIM100GOPRO
250 Rupien die Nacht für ein sehr helles und supersauberes Zimmer mit Wahnsinnsaussicht auf die Felsen… Wir wollten uns ein Anderes ansehen, bekamen es aber daraufhin doch für 200 Rs die Nacht und blieben.
(Im Chill Out trafen wir noch einen anderen Deutschen, der uns von den anderen Hotels erzählte, wir konnten sehr zufrieden mit dem Unsrigen sein.)
Jakob studiert Grafikdesign, Elise richtung Biomedizin, beide in Utrecht. Sie kamen aus dem Norden (Delhi, Kashmir, …) und hatten so manches frauenfeindliche Höllenszenario und andere spannende Abenteuer durchstanden.
Nachdem ich geduscht hatte, ging ich rüber ins Nachbarzimmer zu den Zwei. Auf einmal raschelte es furchtbar laut aus meinem Zimmer: Einer der zahlreichen Affen lugte mit einer meiner Oreo- und Bananenchipspackungen aus der Tür, hüpfte zu einer der am Galender befestigten Holzstangen, sah mich mit leerem Blick an („Und jetzt? Was willst du tun, Mensch?“) und verschwand übers Dach. Ich sah das Ganze eigentlich sehr locker, war aber in dem Moment doch etwas entsetzt (Ich wusste ja nicht, was der Gute noch so alles mitgehen ließ.), lachte aber anschließend über die Aktion. Wer kann schon von sich behaupten schon einmal von einem Affen beklaut worden zu sein? [Ich habe in Indien keinen einzigen Bananenchip gegessen, scheinbar hat mich der Affe wohl doch irgendwie geschädigt…]
Nach dem teuren Geldwechseln gingen wir in ein sehr cooles Restaurant am Dorfrand. Von hier aus hatte man einen prächtigen Ausblick auf den Fluss und die unwirkliche Felslandschaft, die von der untergehenden Sonne angestrahlt wurde.
Die Zirpen grillen übrigens wunderschön hier…
[Hier eine wunderbare Dokumentation über das Dorf, Flora, Fauna und das Reservart]